Heizung steuern

Sicherheitstemperaturbegrenzer

Gradtagszahl: Kennwert zum Ermitteln der Heizkosten

Wie viel Energie ein Gebäude benötigt, hängt nicht allein von der Heizung oder dem Zustand der Hüllflächen ab. Auch das Wetter spielt eine große Rolle. Ist es länger kalt, strömt mehr Wärme aus dem Haus und die Heizkosten steigen an. In milden Jahren sinkt der Wärmeverlust hingegen. Die Heizung muss weniger leisten und die Energiekosten fallen niedriger aus. Mit der Gradtagszahl (GTZ) lässt sich das berücksichtigen, wenn Experten Gebäude vergleichen oder Heizkosten berechnen.

Die Gradtagszahl zeigt, wie oft die Heizung anspringt

Fällt die Außentemperatur unter die Heizgrenztemperatur, genügen externe und interne Wärmegewinne nicht, um ein Gebäude zu beheizen. Die Heizungssteuerung muss dann den Wärmeerzeuger starten, der thermische Energie über die Heizflächen einbringt. Gradtagszahlen berücksichtigen genau das. Denn sie beschreiben, wie häufig die Außen- unter der Heizgrenztemperatur liegt. Die Kennwerte lassen sich in Kelvin oder Grad Celsius angeben und unterscheiden sich von Region zu Region. So ist die Gradtagszahl in München beispielsweise höher als in Berlin, wo es im Vergleich spürbar milder ist.

Berechnung auf Basis von Wetterdaten in der Region

Um die Gradtagszahl berechnen zu können, betrachten Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die Temperaturen der entsprechenden Region. Sie bestimmen die Mitteltemperatur eines jeden Tages und vergleichen diese mit einer festgelegten Heizgrenztemperatur. Fällt die mittlere Außentemperatur unter die Heizgrenztemperatur, berechnen sie die Differenz zwischen Raumtemperatur und mittlerer Außentemperatur. Wiederholen Experten diesen Schritt für jeden Tag einer Periode und addieren die Ergebnisse auf, erhalten sie die Gradtagszahl für den jeweiligen Zeitraum. Ein Beispiel: Beträgt die Tagesmitteltemperatur am 01. April 5,5 Grad Celsius, liegt sie unter der Heizgrenze. Bei einer angenommenen Raumtemperatur von 20 Grad Celsius ergibt das eine Gradtagszahl von 14,5 Grad Celsius oder Kelvin (20 – 5,5 = 14,5). Liegt die mittlere Außentemperatur am folgenden Tag erneut bei 5,5 Grad Celsius, sind 14,5 Grad Celsius zum Ergebnis hinzuzurechnen. Die Gradtagszahl für beide Tage beträgt damit 29 Grad Celsius oder 29 Kelvin.

Einheitliche Vorgaben für vergleichbare Ergebnisse

Ab wann das Heizen nötig ist, hängt sehr stark von den Eigenschaften eines Gebäudes ab. Dabei gilt: Je besser der Dämmstandard ist, umso weniger Wärme verliert ein Haus. Die Heizgrenztemperatur ist niedrig und die Heizung kann länger ausbleiben. Ähnlich verhält es sich bei den Innentemperaturen, die vor allem von den Gewohnheiten der Nutzer abhängen. Um dennoch einheitliche Gradtagszahlen ermitteln zu können, erfolgt die Berechnung bei Standardwerten. Nach VDI-Richtlinie 2067 gelten dabei 15 Grad Celsius für die Heizgrenze und 20 Grad Celsius für die Raumtemperatur. Erkennbar ist das auch an den Indizes: GTZ 15|20 beschreibt die Gradtagszahl bei einer mittleren Außentemperatur von 15 Grad Celsius und einer Raumtemperatur von 20 Grad Celsius.
Übrigens: Neben den Gradtagszahlen gibt es auch die Heizgradtage. Diese beschreiben die Differenz aus der gebäudespezifischen Heizgrenze und der darunter liegenden Außentemperatur. Sie berücksichtigen gebäudespezifische Eigenschaften besser und helfen, den Energieverbrauch eines Gebäudes zu bestimmen.

Beispiele für die Anwendung der Gradtagszahlen

Die Gradtagszahlen kommen in der Praxis vor allem dann zum Einsatz, wenn es um die Ermittlung des Energiebedarfs geht. So ist es mit den Kennwerten möglich, die anfallenden Heizkosten besser abzuschätzen oder eine Witterungsbereinigung durchzuführen. Bei dieser vergleichen Experten die Gradtagszahl einer Region oder eines Zeitraums mit einem Durchschnittswert. Auf diese Weise rechnen sie klimatische Unterschiede und Veränderungen heraus, um Gebäude unabhängig von ihrer Lage energetisch bewerten und vergleichen zu können. Wichtig ist der Kennwert darüber hinaus auch bei der Heizkostenabrechnung. Hier kommt er unter anderem bei Mieterwechseln innerhalb der Abrechnungsperiode oder bei der Bestimmung von Mietminderungen nach einem Heizungsausfall zum Einsatz.